HACCP in der Gastronomie: Grundsätze, Dokumentation und Kontrolle
HACCP ist in der Gastronomie Pflicht. Sie legen darin selbst fest, was in Ihrer Küche einem Gast schaden kann, bestimmen, wo und wie Sie das kontrollieren, und dokumentieren die Ergebnisse. Die Pflicht gilt für jedes Restaurant, jede Bar, jedes Café, jede Pizzeria, jedes Hotel mit Küche und jedes Cateringunternehmen, ebenso für Küchen von Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen, in Deutschland wie in Österreich. Ein Zertifikat oder eine teure Beratungsfirma brauchen Sie dafür nicht. Sie brauchen gut beschriebene Verfahren, Mitarbeitende, die sie kennen, Ausstattung, mit der sie sich einhalten lassen, und verlässliche Aufzeichnungen. Im Folgenden erklären wir Schritt für Schritt, wie Sie das organisieren. Die Abkürzung HACCP kommt vom englischen Hazard Analysis and Critical Control Points, also Gefahrenanalyse und kritische Kontrollpunkte. Es ist ein System, das die Sicherheit von Lebensmitteln gewährleistet, indem es biologische, chemische und physikalische Gefahren bei Herstellung, Lagerung und Abgabe laufend überwacht. In der Praxis eines Betriebs sehen diese drei Gefahrengruppen so aus: Der wichtigste Unterschied zum alten Ansatz: Statt das fertige Gericht am Ende zu prüfen, überwachen Sie jeden Schritt seiner Entstehung. Das System setzt darauf, Ursachen von Gefahren direkt dort zu beseitigen, wo sie entstehen. Für die Küche bedeutet das konkrete Fragen in jedem Arbeitsschritt: bei der Warenannahme, im Kühlraum, an der Schneidestation, beim Garen, bei der Ausgabe und beim Transport. Die Pflicht, Verfahren auf Grundlage der HACCP-Grundsätze einzurichten und anzuwenden, ergibt sich aus Artikel 5 der Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene. Sie gilt unmittelbar in Deutschland und Österreich und betrifft jedes Lebensmittelunternehmen, das Lebensmittel herstellt, verarbeitet oder abgibt. In der Gastronomie sind das Restaurants, Bars, Pizzerien, Cafés, Konditoreien, Foodtrucks, Cateringunternehmen, Hotelküchen sowie Küchen und Kantinen von Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen. Verantwortlich für die Umsetzung ist die Betriebsleitung oder eine von ihr beauftragte Person. Ein HACCP-Zertifikat schreibt das Gesetz nicht vor, Zertifizierungen durch Prüfinstitute oder Beratungsfirmen sind freiwillig. Die Europäische Kommission betont in ihrer Bekanntmachung zu Lebensmittelsicherheitsmanagementsystemen von 2022 ausdrücklich die Flexibilität für kleine Betriebe. Wenn Ihnen jemand ein „verpflichtendes HACCP-Zertifikat für Ihren Betrieb“ anbietet, verkauft er etwas, das das Gesetz nicht verlangt. HACCP ist das eine, die Registrierung des Betriebs das andere. Nach Artikel 6 der Verordnung 852/2004 muss jeder Lebensmittelbetrieb vor Aufnahme der Tätigkeit bei der zuständigen Behörde registriert sein. In Deutschland läuft das in der Regel über die Gewerbeanmeldung und die Meldung an die Lebensmittelüberwachung des Landkreises bzw. der Stadt, in Österreich in der Regel im Zuge der Gewerbeanmeldung. Ein fertiges HACCP-Konzept mit Hygieneplan erleichtert die erste Kontrolle erheblich. Das HACCP-Konzept funktioniert nicht im luftleeren Raum. Es baut auf Basishygiene und guter Hygienepraxis auf, also der täglichen Küchenhygiene, ohne die keine Kontrollpunkte Sinn ergeben. Branchenspezifische Leitlinien für eine gute Hygienepraxis gibt es in Deutschland unter anderem für das Gastgewerbe, in Österreich werden sie vom Gesundheitsministerium veröffentlicht und sind über die Wirtschaftskammer abrufbar. Die Basishygiene umfasst unter anderem: Die gute Herstellungspraxis betrifft die Organisation der Arbeit mit Lebensmitteln: Die EU-Kommission weist in ihren Leitlinien darauf hin, dass die Umsetzung flexibel sein kann: In manchen Fällen kann eine gute Hygienepraxis die Überwachung kritischer Kontrollpunkte ersetzen. Für einen kleinen Betrieb mit einfacher Speisekarte ist das eine gute Nachricht, denn solide Basishygiene erledigt einen großen Teil der Arbeit. Artikel 5 der Verordnung 852/2004 nennt sieben HACCP-Grundsätze. So sieht jeder davon in einer gewöhnlichen Restaurantküche aus. Die Grenzwerte für jede Zeile tragen Sie in Ihrem eigenen Konzept ein, entsprechend der Leitlinie für Ihre Branche. Die Tabelle zeigt die Logik, keine fertigen Werte für jeden Betrieb. Die Einführung läuft im Restaurant, Hotel, Catering und in der Gemeinschaftsverpflegung ähnlich ab. Unterschiede gibt es bei Umfang und Zahl der Prozesse. Die Kosten lassen sich begrenzen. Das Konzept können Sie mit Hilfe der Leitlinien für eine gute Hygienepraxis selbst erarbeiten. Wenn Sie lieber externe Hilfe nutzen, sehen Sie Beraterinnen und Berater als Unterstützung, nicht als Ersatz: Es ist Ihr Team, das täglich nach diesen Verfahren arbeitet. Die Dokumentation besteht aus zwei Teilen: dem, was Sie einmal beschreiben und aktualisieren, und dem, was Sie laufend ergänzen. Feste Dokumente: Laufende Aufzeichnungen: Das Konzept ist kein Dokument für die Ewigkeit. Die Leitlinien der Europäischen Kommission von 2022 sehen vor, dass das HACCP-Konzept bei Änderungen der Produktion aktualisiert wird. In der Gastronomie ist das eine neue Speisekarte, ein neuer Kombidämpfer, der Einstieg ins Catering oder ein neuer Lieferant für eine wichtige Rohware. Gesondert geregelt ist das Personal. In Deutschland bewahren Sie die Nachweise der Belehrungen nach dem Infektionsschutzgesetz auf und legen sie der Behörde auf Verlangen vor. In Österreich müssen Sie nach Anhang II der Verordnung 852/2004 nachweisen können, dass Ihr Personal in Lebensmittelhygiene geschult ist, und auf Basis der Leitlinie zur Personalhygiene sicherstellen, dass erkrankte Personen nicht mit Lebensmitteln arbeiten. Nach den Leitlinien der Europäischen Kommission zu HACCP werden die Gefahren an den CCP durch Beobachtungen oder Messungen überwacht. Für jeden CCP werden Maßnahmen für den Fall einer Grenzwertüberschreitung im Voraus geplant, und die ergriffenen Maßnahmen werden aufgezeichnet. Eine gute Korrekturmaßnahme beantwortet drei Fragen: Beispiel: Am Morgen zeigt die Liste, dass im Kühlschrank mit Milchprodukten die Temperatur den Grenzwert aus Ihrem Konzept überschritten hat. Der Koch lagert die Produkte in ein anderes Gerät um, die Schichtleitung beurteilt die Verwendbarkeit, meldet den Defekt beim Service und trägt alles ins Protokoll der Korrekturmaßnahmen ein. Eine Kontrolleurin, die einen solchen Eintrag sieht, weiß: Das System funktioniert. Die Verifizierung prüft, ob die ganze Maschinerie läuft. Dieselben Leitlinien nennen Audits des Systems und der Aufzeichnungen, Inspektionen vor Ort, die Kontrolle der Kalibrierung von Messgeräten und die Analyse von Abweichungen. Im Betrieb heißt das zum Beispiel: monatliche Durchsicht der Temperaturlisten und regelmäßige Prüfung der Thermometer. Die amtliche Lebensmittelüberwachung, in Deutschland Aufgabe der Landkreise und kreisfreien Städte, in Österreich der Lebensmittelaufsicht der Bundesländer, prüft, ob der Betrieb die Hygieneanforderungen erfüllt und Verfahren auf Grundlage der HACCP-Grundsätze anwendet. Die Kontrolleurin oder der Kontrolleur wird in der Regel: Dieser Prüfumfang gilt auch für kleine Betriebsformen wie Foodtrucks, Eisdielen oder Marktstände. Mängel können zu Anordnungen, Bußgeldern und bei ernster Gefahr zur Schließung des Betriebs führen. In Deutschland können bestimmte Verstöße zudem nach dem Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch öffentlich bekannt gemacht werden. Der beste Schutz ist einfach: ein System, das wirklich funktioniert, und Aufzeichnungen, die das zeigen. Verfahren sind nur so gut wie die Werkzeuge, mit denen Sie sie umsetzen. Die Anweisung „Lebensmittel abgedeckt und gekennzeichnet lagern“ verlangt Behälter mit Deckel. Der Grundsatz „Rohes von Fertigem trennen“ verlangt getrennte Bretter, Messer und Platz im Kühlraum. Die Vermeidung physikalischer Gefahren an Bar und Pool beginnt mit Gefäßen, die nicht in feine Splitter zerbrechen. Bei Euronova stellen wir Ausstattung zusammen, die diese Verfahren im Arbeitsalltag unterstützt. Genormte GN-Behälter, zum Beispiel der GN-Behälter 1/2 mit 150 mm Tiefe oder der GN-Behälter 1/4 mit 200 mm Tiefe, passen in Kühlräume, Bain-Maries und Kühltische. Ergänzt werden sie durch den GN-Deckel 1/6 mit Dichtung, der den Inhalt im Kühlraum und beim Transport schützt. Am Buffet, wo die Speise direkt aus der Küche zum Gast kommt, bewährt sich ein GN-Behälter aus Porzellan. In Bereichen, in denen Glas leicht zerbricht, etwa am Pool, auf der Terrasse oder im Club, lohnen sich Gefäße aus Kunststoffen wie Polycarbonat oder Tritan, zum Beispiel das Glas Prisma aus Polycarbonat. Das gesamte Sortiment, von Töpfen und Messern bis zu Thermoboxen fürs Catering, finden Sie im Euronova Onlineshop. Wir beliefern täglich Restaurants, Hotels, Cateringunternehmen und Küchen von Einrichtungen. Dabei sehen wir, dass Betriebe, die mit HACCP gut zurechtkommen, eines gemeinsam haben: Sie beginnen in der Küche, nicht beim Ordner. Ein Verfahren, das sich nicht umsetzen lässt, bleibt auf dem Papier. Fehlen im Kühlraum Behälter mit Deckel, stehen Lebensmittel in offenen Schüsseln. Benutzen alle Köche ein einziges Brett, ist die Trennung von Rohem und Fertigem eine Fiktion. Deshalb raten wir, bei der Einführung von HACCP mit dem Konzept in der Hand durch die Küche zu gehen und bei jedem Punkt zu fragen: Womit machen wir das? Gut gewählte, genormte Ausstattung vereinfacht die Arbeit. GN-Behälter in einem Maßsystem wandern ohne Umfüllen vom Kühlraum in den Ofen und aufs Buffet, das bedeutet weniger Kontakt mit Lebensmitteln und weniger Gelegenheit für Fehler. Genau deshalb bauen wir unser Sortiment so auf, dass neue Betriebe und erfahrene Unternehmen alles an einem Ort und zu Großhandelspreisen zusammenstellen können. Rok Ja. Die Pflicht aus der Verordnung (EG) Nr. 852/2004 gilt für jedes Lebensmittelunternehmen, unabhängig von der Größe. Der Umfang der Dokumentation soll aber der Art und Größe des Betriebs angemessen sein, und bei einfacher Speisekarte erledigt eine gute Hygienepraxis einen großen Teil der Arbeit. Nein. Eine Zertifizierung ist freiwillig. Das Gesetz verlangt, dass Sie Verfahren auf Grundlage der HACCP-Grundsätze einrichten und anwenden. Die Lebensmittelkontrolle prüft vor Ort, ob sie funktionieren und ob Aufzeichnungen vorliegen. Ja. Die Verantwortung liegt bei der Betriebsleitung, und das Konzept lässt sich mit Hilfe der branchenspezifischen Leitlinien für eine gute Hygienepraxis selbst erstellen. Wichtig ist, dass die Dokumentation Ihren Betrieb und Ihre Speisekarte beschreibt und keine beliebige Küche aus einer Vorlage. Immer dann, wenn sich die Produktion ändert: neue Speisekarte, neue Geräte, neuer Prozess, zum Beispiel Catering außer Haus. Zusätzlich sollten Sie das System im Rahmen der Verifizierung regelmäßig überprüfen, etwa alle paar Monate. Die Aufbewahrungsdauer legen Sie in Ihrem Konzept fest und berücksichtigen dabei die Haltbarkeit der Produkte und die Vorgaben der Leitlinie für Ihre Branche. Die Aufzeichnungen müssen bei Kontrollen verfügbar sein, also geordnet aufbewahrt, auf Papier oder elektronisch.HACCP in der Gastronomie: Grundsätze, Dokumentation und Kontrolle

Das Wichtigste in Kürze
Inhaltsverzeichnis
Was ist HACCP und wozu dient es im Betrieb?
Wer ist zu HACCP verpflichtet und auf welcher Grundlage?

Gute Hygienepraxis: das Fundament des HACCP-Konzepts
Die sieben HACCP-Grundsätze am Beispiel der Küche
Beispielhafte Kontrollpunkte im Betrieb
Schritt
Gefahr
Was Sie kontrollieren
Womit
Was Sie bei Abweichung tun
Warenannahme
Keimvermehrung, beschädigte Verpackungen
Temperatur gekühlter Produkte, Zustand der Verpackungen, Daten
Thermometer, Sichtkontrolle
Annahme verweigern, Lieferanten informieren
Lagerung im Kühlraum
Keimvermehrung, Kreuzkontamination
Gerätetemperatur, Trennung roh und fertig, Kennzeichnung der Behälter
Gerätethermometer, Etiketten
Lebensmittel umlagern, Verwendbarkeit beurteilen, Service
Garen
Überleben von Keimen
Kerntemperatur des Produkts
Einstichthermometer
Weitergaren bis zum Erreichen des Grenzwerts
Abkühlen
Keimvermehrung
Zeit und Temperatur beim Abkühlen
Thermometer, Uhrzeit notieren
Charge entsorgen, Abkühlverfahren ändern
Warme Ausgabe
Keimvermehrung
Temperatur im Bain-Marie oder Wärmegerät
Thermometer
Nacherhitzen oder Speise zurückziehen
Catering-Transport
Temperaturänderung
Temperatur bei Ausgabe und Ankunft, Transportdauer
Thermometer, Transportprotokoll
Behälter tauschen, Charge zurückziehen
HACCP im Betrieb einführen: Schritt für Schritt
Welche HACCP-Dokumentation nötig ist
Überwachung, Abweichungen und Korrekturmaßnahmen
Was die Lebensmittelkontrolle prüft
Ausstattung, die HACCP im Alltag erleichtert

Unsere Sicht auf HACCP
Häufige Fragen zu HACCP in der Gastronomie
Braucht auch ein kleines Café oder ein Foodtruck ein HACCP-Konzept?
Brauche ich ein HACCP-Zertifikat?
Kann ich das HACCP-Konzept selbst erstellen?
Wie oft muss das HACCP-Konzept aktualisiert werden?
Wie lange muss man HACCP-Aufzeichnungen aufbewahren?
Quellen
